Jonathan Nott
Mit einer internationalen Karriere, die eine fundierte vokale Ausbildung, umfassendeErfahrung im Opern- und Symphoniebereich sowie ein tiefes Engagement für zeitgenössische Musik verbindet, wurde Jonathan Nott kürzlich zum neuen Musikdirektor des Gran Teatre del Liceu ernannt.
Seine musikalische Ausbildung begann er als Knabensolist bei Louis Frémaux und dem City of Birmingham Symphony Orchestra. An der Universität Cambridge sang er als Tenor und studierte anschliessend Operngesang am Royal Northern College of Music. Als Korrepetitor am London Opera Studio erhielt er seine Dirigierausbildung bei David Parry und sammelte Erfahrungen in bedeutenden Opernproduktionen, darunter Tosca an der Orgel, Parsifal am Covent Garden unter der Leitung von Bernard Haitink sowie die Aufnahme von Donizettis L’Assedio di Calais für Opera Rara. Als Tenor sang er zudem in den Chören der St Paul’s Cathedral und der Westminster Cathedral. Seine erste feste Anstellung erhielt er als Korrepetitor an der Oper Frankfurt unter der Leitung von Gary Bertini, der ihm auch erste Möglichkeiten als Dirigent eröffnete. Der Erfolg von Produktionen wie Mozarts La finta giardiniera und Heinz Holligers Beckett Trilogy führte zu weiteren Engagements, darunter Schostakowitschs Die Nase und Weills Mahagonny. Als Erster Kapellmeister an der Oper Wiesbaden dirigierte er ein aussergewöhnlich breites Repertoire – von klassischen und grossen romantischen Werken bis hin zu Musik des 20. Jahrhunderts und Musicalproduktionen, darunter eine Neuproduktion von Prokofjews Ballett Romeo und Julia. Bei den Maifestspielen leitete er Wagners Der Ring des Nibelungen sowie Richard Strauss’ Elektra. Während seiner Zeit in Frankfurt entwickelte er ein starkes Interesse an zeitgenössischer Musik und dirigierte Werke von Komponisten wie Ligeti, Boulez, Stockhausen, Lachenmann, Hosokawa, Eötvös und Gubaidulina sowie von jüngeren Komponistengenerationen.
Zu den Höhepunkten zählen die erste ungarische Produktion von Le Grand Macabre an der Budapester Oper so wie choreografische Projekte mit dem Béjart Ballet.
Zu seinen Opernprojekten zählen konzertante Aufführungen von Tristan und Isolde beim Edinburgh Festival sowie von Falstaff und Der Ring des Nibelungen beim Lucerne Festival mit den Bamberger Symphonikern, deren Chefdirigent er von 2000 bis 2016 war. Hinzu kommt eine neue vollständige Produktion des Ring des Nibelungen am Theater Basel.
Während seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Chefdirigent des Tokyo Symphony Orchestra entwickelte er ein intensives Programm konzertanter Opernaufführungen, das von der japanischen Fachpresse hoch gelobt wurde. Zu seinen jüngsten Projekten zählen Messiaens Saint François d’Assise in Genf, Kon-zerte mit den Berliner Philharmonikern sowie eine Deutschlandtournee mit der jungen Deutschen Philharmonie, deren Erster Dirigent er von 2014 bis 2024 war. Im Jahr 2025 begann er die Saison mit einem intensiven internationalen Kalender, mit Engagements in Europa und Asien, darunter symphonische und Opernprojekte sowie eine Asien tournee mit dem Orchestre de la Suisse Romande.
Jonathan Nott ist Reiki-Meister und versteht Dirigieren als einen Prozess der Gestaltung und Weitergabe gemeinsamer menschlicher Energie zwischen Musikern, Sängern und Publikum. Diese Sichtweise prägt seine künstlerische Arbeit in besonderem Masse.
Seine umfangreiche Diskografie umfasst bedeutende Einspielungen mit Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, den Wiener Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern, dem Orchestre de la Suisse Romande und dem Tokyo Symphony Orchestra, von denen viele mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurden.